KARIM NOURELDIN / GEORGE RICKEY

DEC 28, 2009 – JAN 23, 2010 VON BARTHA CHESA

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Karim Noureldin – JETTY (2009)

“Jetty” ist die englische Bezeichnung für “Wellenbrecher”. Und wenn man die von Bartha Chesa in S-chanf betritt, dann wird auf verschiedenen Ebenen klar, wieviel Sinn der Titel macht. Der in die alte Scheune eingeschriebene Kubus funktioniert bereits als “Wellenbrecher”, der den Übergang von der Aussenwelt in die Ruhe des Ausstellungsraums definiert. Der Ausstellungsraum der Chesa selbst ist ein Raum, der nur durch eine einzelne Tür betreten werden kann. Hier drin steht man wie auf einem Pier, um sich herum die Leere des White Cube, auf dessen Wände Noureldins Werk eine symmetrische und doch chaotische, geometrische Wellenbewegung projiziert.

Karim Noureldin arbeitet hauptsächlich mit Zeichnungen und ortsspezifischen Wandmalereien. Dabei sind seine Zeichnungen Form- und Strukturstudien, Auseinandersetzungen mit Möglichkeiten, mit grundlegenden Fragestellungen wie “Was ist ein Bild?”, “Was ist die Farbe”. Sie sind Untersuchungen zu seiner eigenen Formsprache und entstehen sehr intuitiv und emotional. Die in der Chesa ausgestellten Zeichnungen sind dabei nicht Teil der Installation JETTY sondern gehören zu EVO, einer Serie, die seit 2007 entsteht.

Wenn Noureldin einen Raum mit einer Wandmalerei, einer Installation oder einer Skulptur bespielt, dann werden Erkenntnisse aus diesen zeichnerischen Arbeiten mit den örtlichen Gegebenheiten verbunden. Dazu gehören architektonische Merkmale, kulturell-soziologische Eigenheiten und historische Einflüsse. Karim Noureldin verlegt sozusagen sein Atelier in den Ausstellungsraum und lässt sich von den äusseren Einflüssen bei der Umsetzung tragen. So wird in S-chanf die Tradition der Decken- und Wandmalerei, charakteristisch für die Gegend, zum formstiftenden Element.

Der Betrachter steht mitten im Kunstwerk. Der strenge Kubus, weitergeführt in den Quadraten der Oberlichter, wird um den Betrachter herum wie organisch gewachsene Ornamente an den Wänden aufgenommen. Diese geometrischen Formen setzen sich in der Spiegelung des schwarzen Bodens des Kubus fort. So steht man nicht nur horizontal , sondern auch vertikal im Zentrum des Kunstwerks, und rundherum wuchert Noureldins formale Bildwelt. In der tiefen Stille des Ausstellungsraum wird eine Spannung aufgebaut, die über die Grenzen des Raums hinaus geht.

Karim Noureldin, geboren 1967 in Zürich, lebt und arbeitet in Lausanne. JETTY in der von Bartha Chesa in S-chanf ist seine aktuellste Einzelausstellung. Noureldins Werke wurden unter anderem bereits in der Kunsthalle Basel (2001), Kunstmuseum Winterthur (2004) Swiss Institute New York (2000), Fri-Art – Centre d’Art Contemporain Fribourg (2003), MAMCO – Musée d’art moderne et contemporain Genf (2005) , Kunstmuseum Bonn (2007) ausgestellt. Seit 2002 ist er neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch Professor an der ECAL/University of Art and Design Lausanne.

Videos zu “Jetty”
long version (7.50min) http://www.youtube.com/watch?v=QTRjx5m-WoQ
short version (4.50min) http://www.youtube.com/watch?v=DJCT20z1A2U