Marianne Eigenheer in “PARTI-cipation VI Seoul 2017”, at Gallery Soso, Seoul

Marianne Eigenheer in "PARTI-cipation VI Seoul 2017 Semi-Transparent", at Gallery Soso, Seoul

PARTI-cipation VI Seoul 2017
Semi-transparent
October 10–29, 2017

Galerie Hafemann (Wiesbaden) zu Gast in der Gallery SoSo (Seoul)

Der Galerist Gottfried Hafemann gründete 1987 die gleichnamige Wiesbadener Galerie Hafemann. Zu ihrem 25. Jubiläum wurde 2012 eine Ausstellungsreihe namens „PARTI-cipation“ ins Leben gerufen, bei der sich ein Team, das sich um den Galeristen gebildet hat, an einen biografisch wichtigen Ort einer Künstlerin oder eines Künstlers aus dem Programm der Galerie begibt, um dort mit dem Galerieprogramm eine Ausstellung zu entwickeln. Im intensiven Dialog mit neuen Räumen und anderen künstlerischen Positionen werden die Bedingungen künstlerischer Produktion, Präsentation und Vermittlung jeweils neu untersucht.

Zum Auftakt der Reihe begab sich das Team ins fränkische Iphofen. In den darauffolgenden Jahren wurde die deutsche Grenze zuerst Richtung Italien in das piemontesische Verduno und dann Richtung Niederlande, nach Amsterdam, überschritten. Im Sommer 2015 überquerte das Team den Atlantik: Ziel war Óbidos, eine Kleinstadt am Ufer des brasilianischen Amazonas. Nachdem 2016 das Rhönmuseum in Fladungen, nahe der ehemaligen Grenze zwischen DDR und BRD, aufgesucht wurde, führte das Projekt die Gruppe 2017 in die koreanische Hauptstadt Seoul. Die in Frankfurt lebende koreanische Künstlerin Young W. Song lud vier Künstlerinnen und Künstler der Galerie Hafemann und drei weitere Gäste aus Korea zum Kunstdialog in die Gallery SoSo ins Künstlerdorf Heyri Art Valley ein. Bereits vor 25 Jahren wanderte Young W. Song nach Deutschland aus, um sich in Stuttgart dem Studium der Bildenden Künste zu widmen. Ihre Professorin Marianne Eigenheer wurde bereits damals durch die Galerie Hafemann vertreten, weswegen Young W. Song schon früh in eine Gruppenausstellung in der Galerie eingebunden wurde. Marianne Eigenheer ist heute eine der Künstlerinnen, die Young W. Song für die nun sechste Edition der Ausstellungsreihe „PARTI-cipation“ nach Seoul eingeladen hat.

Die größte Herausforderung für die Künstlerinnen und Künstler war hierbei nicht, sich gemeinsam auf einen weiten Weg zu machen, sondern vielmehr, sich in einer Entfernung von etwa 10.000 km gedanklich auf einen fremden Ort einzulassen, um in Auseinandersetzung mit den gegebenen Parametern eine Arbeit zu entwickeln. Die Frankfurter Künstlerin Monika Linhard hat drei Werke ihrer 28-teiligen Serie „Europas Mäntel“, bei der sie die Coverseiten von Tageszeitungen künstlerisch bearbeitet, mit nach Seoul gebracht und anhand der koreanischen Zeitung Hadonggunmin Sinmoon um eine neue Version ergänzt. Die deutsch-niederländische Künstlerin Gabi Rets hat in Vorbereitung auf die Ausstellung in der Galerie SoSo ihre künstlerische Strategie der Verfremdung sprachlicher Elemente wie Buchstaben und Wörter auf das koreanische Alphabet in einer bewusst naiven Annäherung angewandt. Das Ergebnis enthüllt einen symbolischen Aspekt des Hanguls, der nur durch die Augen der Unwissenden zu sehen ist. Gegenüber den zarten und semitransparenten Arbeiten von Gabi Rets positioniert sich die Acrylmalerei von Kim Hyung Gwan mit starken Neonfarben. Diese intensive Farbigkeit und die präzis ausgearbeiteten Konturen seiner auf den Grundriss reduzierten imaginierten Räume sind konzeptuell erarbeitet und sollen nichts Eigenwüchsiges oder gar Natürliches mit sich bringen. In der Ölmalerei von Han Soo Jung wird die kräftige Farbgebung aufgegriffen, allerdings wird wieder ein Bogen zur Naturdarstellung geschlagen. Sie rückt den Betrachter ganz nah in ihre blumigen Mikrolandschaften und fordert ihn auf, sich ihrer gezielt definierten Freistellen anzunehmen. In der Werkreihe „A Legacy“ von Marianne Eigenheer wird das Blumenmotiv durch die künstlerische Untersuchung transparenter Papierschablonen eines Schweizer Stickgeschäftes wieder aufgegriffen. Die Transformationsprozesse feinster Handarbeit mit Details, die dem bloßem Auge verborgen bleiben, werden in ihren übergroßen Scans sichtbar. Young W. Song harmonisiert mit ihren zwei Häkelarbeiten den scheinbaren Gegensatz zwischen Kunsthandwerk und freier Bildender Kunst. Young W. Song hatte den Vorteil, dass sie den Ausstellungsort bereits kannte, und konnte somit auf die Vorgaben der Architektur aus Sichtbeton, Zedernholz und Glas reagieren. Die wiederholende, präzise Bewegung des Häkelns und die einmalige, intuitive Geste der expressiven Malerei durchdringen sich in ihrer Arbeit. Auch wenn sie nicht mit Pinsel und Farbe arbeitet, bringt sie eine Hommage an die „Malerei an sich“ hervor. Dieses Thema greift auch Chung Seung Uns Arbeit auf. Indem er tausende Linien Ölfarbe auf einen Faden aufträgt und dieser im Gegensatz zur flachen Leinwand die lineare Elementarstruktur seiner Bestandteile sichtbar macht, wird seine Arbeit zu einer substanziellen Untersuchung von Malerei. Im Gegenüber sind fünf Hinterglasarbeiten von Carlos Matter gesetzt, in denen seine Auseinandersetzung mit dem kontrollierten Zufall in einer strengen, modularen Form austariert wird. An dieser Position der Ausstellung wird der Dialog zwischen Architektur und Natur, welcher durch die Architektur der Galerie SoSo (Architekt Sam Yeong Choi) initiiert wird, aufgegriffen und in Einklang gebracht.

Mit der Eröffnung der Ausstellung am 20. Oktober 2017 endete der Prozess der künstlerischen Untersuchung des gegebenen Orts und der wechselseitigen Einflussnahme unterschiedlicher Positionen. Nun trennte sich der gemeinsame Weg aller Beteiligten, und vielleicht treffen sie 2018 in Berlin bei der PARTI-ciption VII im Kunstquartier Bethanien wieder zusammen.

Read more here: http://kulturkorea.org/de/magazin/parti-cipation-vi-2017-seoul

Gallery SoSo 갤러리소소
20.10.-29.10.2017 / 전시기간: 2017년 10월 20일 – 29일
Eröffnung / Opening / 오프닝 20.10.2017

Die Ausstellungreihe PARTI-cipation begibt sich einmal im Jahr an einen biografisch wichtigen Ort einer Künstlerin oder eines Künstlers aus dem Programm der Galerie Hafemann Wiesbaden. Im intensiven Dialog mit neuen Räumen und anderen künstlerischen Positionen werden die Bedingungen künstlerischer Produktion, Präsentation und Vermittlung jeweils neu untersucht. 2017 hat die Künstlerin Young W. Song nun nach Seoul – ihrer Heimatstadt eingeladen. In Zusammenarbeit mit der Gallery SoSo gestalten zusammen mit ihr vier weitere Künstler*innen der Galerie Hafemann und drei Gäste aus Korea eine Ausstellung.

Once a year the exhibition series PARTI-cipation takes place at a city or region, which is biographically important for an artist of the artistic program of the gallery Hafemann Wiesbaden. Each time the conditions of artistic production, presentation and mediation are examined by an intense dialogue between new spaces and other artistic positions. In 2017, the artist Young W. Song invited four other artists from Galerie Hafemann and three guests from the region to develop together a specifically designed exhibition in Seoul at Gallery SoSo.

일련의 기획전인 PARTI-cipation은 독일, 비스바덴 소재의 겔러리 하페만 (Hafemann) 소속 작가 중 한 명이 자신의 이력에서 중요한 의미가 있는 장소를 선정하여 매년 열리고 있다. 새로운 장소성과 서로 다른 에술적 입장들은 심도있는 디알로그를 통하여 결과물로서의 작업과 전시 및 소통방식을 결정하는 전제조건으로, 매회 전시마다 새로운 시도를 거듭 한다. 2017년은 작가 송영화가 그의 고향인 서울로 선정하였다. 겔러리 소소와 공동 기획으로 이루어지는 올해 전시는 그를 포함한 하페만겔러리 소속 작가 5인과 3인의 현지 작가들의 또 한번의 특별한 교류전이 될 것이다.

Beteiligte Künstler*innen / Participating artists / 참여 작가
Chung, Seung Un 정승운 (Korea, 한국)
Marianne Eigenheer (Schweiz, Switzerland, 스위스)
Han, Soo-Jung 한 수 정 (Korea, 한국)
Kim, Hyung Gwan 김형관 (Korea, 한국)
Monika Linhard (Deutschland, Germany, 독일)
Carlos Matter (Schweiz, Switzerland, 스위스)
Gabi Rets (Niederlande, Netherlands, 네덜란드)
Young W. Song 송영화 (Deutschland/Korea, Germany/Korea, 독일/한국)

Kuratiert von / Curated by / 전시 기획
Nadine Hahn & Gottfried Hafemann

www.gallerysoso.com
www.galerie-hafemann.de