Boris Rebetez

Syndrome Temporel

Syndrome Temporel

Sep 10 – Oct 26 2013

von Bartha, Basel

Boris Rebetez beschäftigt sich in seinem Werk mit dem belebten bzw. gelebten Raum, jedoch eher in peripheren Szenarien wie dem Übergang Stadt – Landschaft / Architektur – Natur und halböffentlichen Räumen, wie Innenhöfen oder Treppenhäusern, die eine Verbindung zwischen Innen und Außen darstellen. Er untersucht die räumlichen und architektonischen Qualitäten, befragt ihre Ästhetik, ihre Anwendungsformen aber auch ihre sozialen und politischen Funktionen. D.h. er verbindet sie ebenso mit unseren/ seinen subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungen. In Form von Zeichnungen, Collagen, Fotografie, Skulptur und Installation findet die Essenz dieser bearbeiteten Eindrücke ihren formalen Ausdruck.
Die Ausstellung Syndrome Temporel erzählt eine an Raum und Zeit gebundene Geschichte. Sie bildet eine Collage/ ein komplexes System aus verschiedenen Zeiten und Bezügen, die in ihren formalen Beschaffenheiten zusammenfindet. Die Skulpturen spielen in ihren Oberflächen und Farbigkeiten mit den Aquarellen, nehmen Bezug zu diesen und/ oder finden ihren Ausgangspunkt in den Zeichnungen. Darüberhinaus spielen die Skulpturen mit dem Raum. Sie greifen in den Realraum der Galerie ein, nehmen ihn auf und verändern die Identität des Ausstellungsraumes, bilden aber auch eigene architektonische Aspekte aus und ermöglichen so eine doppelte Wahrnehmung, sowohl auf visueller als auch auf körperlicher Ebene.
Den Rahmen bildet die Serie Calendrier (2013). 13 Kalenderblätter zeigen in Aquarell umgesetzte Ansichten der Gartenstädte Floréal und Le Logis in Brüssel. Diese beiden künstlich erschaffenen Siedlungen finden bereits 2011 in der Arbeit Le Logis ou le secret identitaire, einer Dia-Projektion verschiedener schwarz-weiss Detailaufnahmen der Siedlungen Niederschlag. Beide Siedlungen, entworfen von Louis Van der Swaelmen (1883 – 1929), einem belgischen Städteplaner und dem Architekten Jean-Jules Eggericx (1884-1963), folgen Entwürfen des Briten Ebenezer Howard (1850-1928), der den Begriff der Gartenstadt prägte und mittels dieses Modells das Städtewachstum in der Zeit der Industrialisierung zu kontrollieren versuchte. Es entstanden Wohnstrukturen, die sich selbstversorgend parallel zu den zentralen Stadtgebieten entwickelten und denen die Utopie eines Idylls der geformten, kontrollierten Umgebung, in der jeder und alles gleich ist und in der keine Probleme auf Ungerechtigkeiten oder ungleichen Verhältnissen basieren, anhaftete. Eben dieser Utopie bedient sich Boris Rebetez und präsentiert menschenleere Straßen, Einfahrten, Vorgärten sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser. Natur und Architektur haben sich über die Jahrzehnte zu einer Einheit verwoben. Doch es gibt kaum einen jahreszeitlichen Wechsel in den Bildern. Die architektonische Gleichförmigkeit der Siedlung, der Gedanke der Gleichschaltung, greift um sich. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Das Ordnungssystem des Kalenders ist durchbrochen. 13 Kalenderblätter läuten eine Endlosschleife ohne Vergangenheit und Zukunft, eine Monotonie von Raum und Zeit ein.

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